Denk mal homosexuell

Wettbewerb Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen (2. Preis) 

Ort: östlicher Rand des Großen Tiergartens von Berlin
Auslober: Land Berlin im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland
Größe: Schriftzug: Höhe:4,5 Meter (3 Meter ohne Oberlängen), Länge: ca. 50 Meter, Liegebänke: 180 x 180 cm, 37 cm hoch
Materialien: Schriftzug: Edelstahl, mattiert, Bänke: Edelstahl und TeakHolz
Jahr: 2005

denk mal homosexuell, Entwurf für das Mahnmal der verfolgten Homosexuellen, Homomahnmal

Aufgabe:
Es soll ein Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen entstehen. Mit der Gestaltung des Denkmals soll ein Ort geschaffen werden,
– der an die Homosexuellen erinnert, die im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden,
– ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzt,
– von großer kommunikativer Kraft ist, Denkanstöße gibt und einen Auseinandersetzungsprozess anregt,
– für Schwule und Lesben auch als Ort der Selbstvergewisserung dient, an dem sie sich mit der eigenen kollektiven Geschichte, auch in ihrer Unterschiedlichkeit, auseinandersetzen können und
– der sich in die urbane Umgebung einfügt und zugleich Aufmerksamkeit provoziert.
Künstlerischer Eingriff:
Ein riesiges Wort, beginnend vom Lennèschen Baumsaal zieht sich in eine Lichtung des Tiergartens: homosexuell. Nichts weiter. Ein einziges Wort. Ein Weg schlängelt sich in einiger Entfernung daran vorbei, Sitz- und Liegebänke laden ein zum Verweilen, Erinnern, Sinnieren aber auch zum Abschalten, Entspannen, Genießen.
Der Entwurf verbindet Vergangenheit und Gegenwart und stellt das Thema, die Homosexualität, in die Mitte Berlins an historische Stätte. Es gibt im bildlichen wie übertragenen Sinne kein “herumdrücken” um das Thema. Gleichzeitig vermittelt das Wort in seiner Größe und Schroffheit die Umgangsschwierigkeiten mit Homosexualität damals wie heute.
Dabei ist es nur ein Wort. Ein Wort, sachlich, abstrakt, viel- und doch auch nichtssagend. Die Bandbreite und Wirklichkeit gleichgeschlechtlichen Lebens ist in diesem einen Wort allein nicht enthalten. Und doch schafft es die Abstraktionen der Buchstaben, bei jedem Betrachter ein Bild zu erzeugen. So wird das Wort zu einem Auftaktgeber, einer Einladung der
Auseinandersetzung. Es wird aber auch zum Wegweiser, einer Einleitung für die unendlichen Variationen der Liebe zwischen Menschen jenseits des klassischen Mann-und-Frau-Bildes. Deshalb gibt es vor dem Wort eine Wiese (Liegewiese, Spielwiese) mit Liege-Bänken zum Verweilen.
Hier gibt es die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit dem Thema. Und zwar öffentlich. So kann das Gestern mit dem Heute verbunden werden. Das Geschehene, aber auch das
Gedenken wird nicht als abgeschlossener, abgetrennter Ort begriffen, sondern als lebendige
Quelle fortwährender Entwicklung und Gestaltung.
So steht das Mahnmal sowohl für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus, denen das Mahnmal gewidmet ist und welche durch das Benennen ihres Verfolgungsgrundes dem Vergessen entrissen werden, als auch für das gewachsene Selbstbewußtsein und Selbstverständnis heutiger Homosexueller und ihren Stolz auf die eigene Sexualität. Das Mahnmal nimmt sich nicht zurück. In dem es das „Problem“ benennt und auf das Vorhandensein anderer Sexualität hinweist, schafft es Raum zur Diskussion.

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